Verhüllt und doch sichtbar

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Verhüllt und doch sichtbar

Verpackungen sind in unserem täglichen Leben allgegenwärtig. Nahezu jedes Produkt, dass wir einkaufen ist in irgendeiner Art und Weise verpackt. Doch warum sind Verpackungen für die Druckindustrie so wichtig und welche Herausforderungen stellt der Verpackungsdruck an die Druckindustrie?

 

Verpackungen erfüllen tag täglich die unterschiedlichsten Aufgaben:

Sie schützen den Inhalt vor Umwelteinflüssen wie Sonne oder Regen, außerdem schützen sie  vor Beschädigungen von außerhalb, denn wer kann sich nicht vorstellen, wie das frisch gekaufte Ei ohne Eierkarton völlig kaputt zu Hause ankommt? Weiterhin bieten Verpackungen einen Schutz vor Verunreinigungen, da sie auf der gesamten Lieferkette vom Hersteller bis zum Endverbraucher den verschiedensten Beanspruchungen ausgesetzt sind. Und natürlich schützen Verpackungen vor Verlust, zumindest solange sie intakt sind, denn dann kann das Füllgut gefahrlos transportiert werden, und man hat als Verbraucher am Ende genau so viel Produkt wie man eingekauft hat.

Weiterhin haben Verpackungen auch eine kommunikative Aufgabe: Sie informieren Lieferanten, Käufer und Endverbraucher darüber, was sich in ihrem Inneren verbirgt und machen in bunten Farben auf Neuheiten und Altbewährtes aufmerksam. Verpackungen sind Markenbotschafter, denn wer bringt nicht das typische Milka-Lila mit Schokolade in Verbindung? Viele Verpackungen zeigen auch mit einem Sichtfenster direkt das Produkt, welches sie verpacken, dadurch wird der Kunde animiert näher zu kommen und sich das Produkt genauer anzusehen.

Auch im Lager schätzt man die Vorzüge von Verpackungen, denn die Produkte lassen sich so wesentlich platzsparender verstauen, als ohne Verpackung. Man stelle sich nur einmal vor, wie es in den Lagern der Lebensmittelgeschäfte aussehen würde, wenn Nudeln nicht verpackt wären. Ein weitaus größerer Platz würde gebraucht werden um die gleiche Menge Nudeln lose zu lagern, als bei Lagerung in Verpackungen. Eine weitere Vereinfachung gibt es in der Entnahme bzw. Dosierung: viele Verpackungen haben heutzutage spezielle Dosieröffnungen, mit denen eine bestimmte Menge des verpackten Produktes entnommen werden können.

Verpackungen sorgen auch für eine längere Konservierung. Ohne ihre luftdichte Vakuumverpackung würden viele Lebensmittel wesentlich schneller verderben oder sie könnten gar nicht über längere Zeit gelagert werden.

Doch welche Anforderungen werden an den Druck von Verpackungen gestellt?

Da die unterschiedlichsten Bedruckstoffe bedruckt werden, sind die Anforderungen an die Druckindustrie im Falle des Verpackungsdrucks sehr vielseitig. Gedruckt werden zum Beispiel Folienverpackungen für Chipstüten oder  Wellpappe, die als Umverpackung dient und dennoch ein sehr gutes Druckbild erfordert. Auch verschiedene Kunststoffe, die als Verpackung von Lebensmitteln dienen und natürlich der Etikettendruck, der Flaschen und Dosen individualisiert, werden täglich in großen Mengen produziert. Die vielseitigen Verpackungen fordern ein hohes Maß an Wissen und Können von den einzelnen Druckern, die sich auf jedes Material neu einstellen müssen um ein perfektes Druckbild zu erzielen. Eine große Herausforderung hierbei ist die geforderte absolute Passgenauigkeit. Viele Verpackungen haben Abtastmarken und Barcodes aufgedruckt, die perfekt sein müssen, da sonst die jeweiligen Lesegeräte Probleme haben, das Produkt richtig auszulesen. Außerdem darf das Druckbild nicht kratz- oder knickanfällig sein, sondern es muss ebenso flexibel sein, wie die jeweilige Verpackung, die bedruckt wurde.

Selbstverständlich muss die Druckfarbe auch beständig sein gegen sämtliche Arten der Außenwitterung. Viele Produkte gerade im Gartenbaubereich werden im Freien gelagert und aus diesem Grund muss die Farbe absolut Licht- und Wasserfest sein, da sonst ein Teil der Farbe abgewaschen werden könnte und somit ein großes Umweltrisiko wäre.

Die Farbechtheit ist generell ein sehr großes Thema bei Verpackungen. Gerade bei Markenfarben wie dem Milka-Lila oder dem Coca-Cola-Rot ist es wichtig, dass die Farben immer gleich aussehen, egal auf welchen Bedruckstoff gedruckt wird. Gerade Sonderfarben machen die CI eines Unternehmens aus und wenn eine Auflage eine etwas andere Farbnuance hat, als die vorherige oder nachfolgende besteht die Gefahr, dass die Kunden verwirrt werden und im schlimmsten Falle das Produkt dann nichtmehr kaufen. Es ist daher unabdingbar, dass die Farbbeständigkeit durch Proofdrucke garantiert wird.

Ein weiterer wichtiger Punkt den Verpackungsdrucke auf jeden Fall erfüllen müssen ist die Beständigkeit gegen das Füllgut. Darunter versteht man die Tatsache, dass die Druckfarbe sich nicht an das jeweilige Füllgut abreibt oder gar mit ihm reagiert. Diese Anforderung gilt sowohl für Drucke auf der Verpackungsinnenseite, als auch auf der Außenseite, denn jeder Teil der Verpackung kann mit dem Füllgut in Kontakt kommen.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Verpackungsindustrie sehr hohe Anforderungen an die einzelnen Druckverfahren stellt. Beim Verpackungsdruck kommen Offsetdruck, Tiefdruck und Flexodruck gleichermaßen zum Einsatz um die facettenreichen Ansprüche befriedigen. Welches der Druckverfahren jeweils zum Einsatz kommt, ist abhängig vom jeweiligen Bedruckstoff, der genau mit dem Druckverfahren aufeinander abgestimmt werden muss, um bestmöglichste Ergebnisse zu erzielen. Dies ist nur mit dem nötigen Know-How möglich, dass sich die Druckindustrie über Jahre erworben hat, um den Konsumenten tagtäglich perfekte Verpackungen präsentieren zu können.

Quelle: Prof. Dr. Martin Dreher, Skript zur  Vorlesung Druckverfahren