Interview mit Ralph Rieker

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Interview mit Ralph Rieker Geschäftsführer der Rieker Druckveredelung GmbH + Co. KG

Über die Innovation Sprintlack und warum Lillifee einfach glitzern muss.

Seit wann gibt es Ihr Unternehmen?

R. Rieker: Das Unternehmen existiert seit 1906. Es befindet sich seitdem im Familienbesitz in der 4. Generation.

Waren Sie schon immer auf Druckveredelung spezialisiert oder hat sich das im Laufe der Jahre so ergeben?

R. Rieker: Wir sind zufällig zum Druckveredeln gekommen oder eher lackieren. Früher hieß das Unternehmen Stuttgarter Lackier- und Gummierungsanstalt. Es wurden Wertmarken-Banderolen mit Gummierung beschichtet. Damals hat man Zigarrenkisten verschickt auf denen Etiketten geklebt wurden. Allerdings ging beim Verschicken die Farbe der Etiketten ab. So kam man auf die Idee die Etiketten zu lackieren. Damit hat das Unternehmen eine Produktnische gefunden und konnte darauf aufbauen.

Es gibt viele Möglichkeiten ein Druckprodukt zu veredeln. Sind Sie trotzdem der Meinung „weniger ist mehr“ oder würden Sie sagen „es kommt auf das Produkt an“?

R. Rieker: Das Veredeln ist immer produktbezogen. Dabei stellt sich die Frage, ob man ein Produkt nur veredeln möchte, um einen schönen Effekt zu erzielen oder ob die Veredelung eine Funktion erfüllen muss? Ein Rubbellos funktioniert nur mit einer Veredelung, ebenso eine Streichholzschachtel. Wie sollte man sonst ein Streichholz entflammen?  Es gibt auch Schutzveredelungen die eingesetzt werden um Produkte vor Abnutzung zu schützen wie beispielsweise ein Buchcover oder eine Verpackung. Im Grunde ist weniger natürlich mehr, aber Lillifee muss einfach glitzern.

Die HdM genießt großes Ansehen in der Druckbranche, wie stehen Sie zu den dort ausgebildeten Nachwuchskräften?

R. Rieker: Ich habe selbst an der Hochschule der Medien studiert, damals hieß diese noch FH Druck und der Studiengang Wirtschaftsingenieur Druck. Die Ausbildung der Nachwuchs- oder Führungskräfte ist da sehr gut, doch empfehle ich jemanden, der dort studieren möchte vorab eine Ausbildung abzuschließen. Denn eine Berufsausbildung prägt einen, was strukturiertes arbeiten angeht, doch sehr.

Bieten Sie Plätze für das Praxissemester an und wenn ja, was erwartet die Studierenden bei Ihnen?

R. Rieker: Ja wir bieten Praktikumsplätze an, allerdings nur projektbezogen. Also wenn jemand eine Idee zu einem Thema in unserem Betrieb hat und diese auch in den sechs Monaten des Praxissemesters zum Abschluss bringen kann, dann sollte derjenige sich gerne bei uns melden. Vorrausetzung ist aber, dass ein technisches Verständnis für unsere Prozesse vorhanden ist.

Sie bewerben auf Ihrer Internetseite den Sprintlack von Scodix. Was ist das aufregende an diesem Lack?

R. Rieker: Dieser Lack wird in einem digitalen Prozess auf das Produkt gebracht. Der Lack wird mit Piezoköpfen aufgespritzt, das heißt es wird keine Formherstellung benötigt. Dadurch wird nicht nur Zeit gewonnen, sondern auch Miniauflagen von einem Bogen sind möglich. Auch personalisierte Texte und wechselnde Bilder, Bogen für Bogen, können damit veredelt werden. Noch eine weitere Innovation ist, dass unterschiedliche Lackhöhen in einem Durchgang lackiert werden können.

Ihr Unternehmen hat schon mehrfach den Award Print Stars gewonnen. Wie bereitet sich ein Unternehmen auf ein solches Ereignis vor und was sind die Folgen eines solchen Gewinns?

R. Rieker: Wir als Unternehmen bereiten uns darauf nicht vor. So ein Award entsteht, aus einem Kundeauftrag heraus. Es wird kein Projekt geplant mit: „ Damit wollen wir jetzt einen Award gewinnen!“ Wir fragen immer, wie können wir mit unserem Know How das bestmögliche Ergebnis erzielen und dadurch kann etwas entstehen, dass für einen Award angemeldet wird.

Stichwort Cross Media. Wie reagiert ihr Unternehmen auf den digitalen Umschwung in der Druck- und Medienbranche?

R. Rieker: Wir reagieren und antworten mit dem Sprintlack. Aber es müssen immer individuelle Lösungen gefunden werden. Die Unternehmen spezialisieren sich immer weiter, denn Qualität ist jetzt gefordert. Print wird hochwertiger und es gibt dadurch kleinere Auflagen. Aber der Weg in diesem Umschwung ist steinig, denn einen analogen Prozess kann man nicht gleich transformieren. Stanzen und Prägen geht nun mal nicht digital.

Was war ihr anspruchsvollster Auftrag bzw. Ihre größte Herausforderung?

R. Rieker: Es gibt da keinen speziellen Auftrag. Verpackungskunden anspruchsvoll, da  immer die gleiche  Qualität gefordert ist. Das ist auch eine Herausforderung. Natürlich gibt es auch Bücher von namhaften in Stuttgart ansässigen Autofirmen, die bis zum Gelingen viel Zeit gekostet haben. Es vergingen fast eineinhalb Jahre bis das fertige Produkt auf dem Tisch lag.

Was vermuten Sie, ist die nächste Innovation in der Druckveredelung?

R. Rieker: Technisch wird es vermutlich keine großen Innovationen mehr geben, denn die Maschinen sind  technologisch schon auf dem höchsten Niveau. Auch bei den Lacken und Folien sind keine großen Sprünge mehr zu erwarte. Eine Innovation entsteht meistens aus  Kundenanforderungen, die bei uns mit industriellen Fertigungsmethoden umgesetzt werden müssen.

Setzen Sie sich auch im Bereich der Entwicklung für Druckveredelungen ein?

R. Rieker: Wir haben keine eigene Entwicklungsabteilung. Zur Realisierung von Kundenwünschen setzen wir uns mit den Laboren der Lack- und Folienindustrie in Verbindung und suchen nach umsetzbaren Lösungen. Hier ist es immer produktbezogen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Ralph Rieker für seine Zeit und für seinen Einblick in die Geschichte der Druckveredelung.